IG-GARTENFREUNDE e.V.
Gisela Rommelfanger
Gartenstr. 12
54316 Pluwig
Tel: 06588 7650
info@ig-gartenfreunde.de

Staude des Jahres 2020: Rutenhirse/Panicum

Liebe Leserinnen und Leser

In diesem Jahr hat der Bund deutscher Staudengärtner ein Gras ausgewählt und wieder bin ich dabei – allerdings nur mit einer sehr kleinen Sortenauswahl, die in meinen Garten gefunden hat, bzw. in den Präriegarten, den ich vor vier Jahren bei meiner Mutter angelegt habe.

Wenn es um Gräser geht, bin ich wirklich von der Rutenhirse (Panicum Virgatum) begeistert. Das Schweben der glitzernden Blütenstände – und das in Massen – ist traumhaft und entführt zu Träumereien. Im Präriegarten meiner Mutter habe ich "Rotstrahlbusch" und "Hänse Herms" aufgepflanzt. Wenn ich im Sommer und Herbst dort bin, freue ich mich, wie sie gegen den Himmel stehen und sich sanft im Wind bewegen. Die Blüten sind winzig, wie bei Gräsern üblich. Aber bei der Rutenhirse schwirren sie in einem Schleier an stark verzweigten Blütenständen.

Rutenhirse

Rutenhirsen haben mit dem Boom der Präriegärten im öffentlichen Grün einen wahren Aufschwung erlebt. Mit ihrem Habitus passen sie in naturnahe Gartensituationen genauso wie in schicke, moderne Gestaltungen oder Staudenrabatten. Als "warm-season-grass" lassen sie allerdings lange auf sich warten. Es muss erst ordentlich warm sein, bevor sie neu austreiben. Dafür können und sollten sie aber den ganzen Winter stehen bleiben und nicht nur als Insektenbehausung. Das wäre Grund genug. Sie sind für den Menschen im Winter ein schöner Anblick, vor allem dann, wenn sie raubereift sind. Man kann mit ihnen und anderen Gräsern sowie Stauden mit imposanten Samenständen und Gehölzen mit farbigen oder strukturstarken Rinden, sehr schöne Wintergärten zaubern. Ein Beispiel: die Rutenhirse steht mit ihrem beigen Laub gut im Kontrast zu den sehr dunklen Astern und Echinaceen. Ich möchte noch zwei Sorten erwähnen, die ich per Zufall oder bewusst für meinen Garten ausgewählt habe.

"Squaw" aus dem Baumarkt gedeiht bei mir am Teich, eingeklemmt zwischen Teichfolie und Trockenmauer, so gut, dass ich mich immer über ihre Kraft und Ausdauer und natürlich über ihre Farbe wundere; die zarten Blüten an lockeren Rispen sind rötlich violett und man kann sie lange, lange stehen lassen. Die Höhe von 1,50 m erreicht sie an ihrem beengten Standort allerdings nicht. Daher frage ich mich, ob es wirklich diese Sorte ist. Bei Baumarkt-Pflanzen sind Zweifel durchaus berechtigt. Aber Hauptsache schön! Und ich bin dankbar für ihre Ausdauer.

Eine Neuerwerbung vom letzten Herbst ist "Northwind", die ich in der Gärtnerei von Peter Janke in Hilden erstanden habe. Dort strukturiert sie den eher trockenen graulaubig bepflanzten Kiesgarten. Sie fällt sofort ins Auge. "Nordwind" gehört zu den Rutenhirsen, die hellgrün austreiben und dann in Richtung graublau gehen, im Gegensatz zu den Kupferrutenhirsen, die sich im Sommerverlauf zu Rottönen hin entwickeln. "Northwind" wird zu einem imposanten, straff-aufrechten Strauch, der passendes Fußvolk braucht. Ich bin gespannt, wie sie sich bei mir entwickelt und ob sie so widerstandsfähig gegen Hitze und Trockenheit ist wie die "Squaw". Ihre Wurzeln gehen sehr tief, was das Geheimnis der Präriegräser ist. Diese Tatsache gibt mir ein gutes Gefühl.

Im Gegensatz zum Reitgras (Calamagrostis), zum Pfeifengras (Molinia) und zu Pennisetum, dem Lampenputzergras, habe ich den Eindruck, dass die Rutenhirse mit den heißen und trockenen beiden letzten Sommern besser zurechtgekommen ist als diese

Wie sind Eure/Ihre Erfahrungen?

Uta Mieden

Für mich soll's Rosen regnen...

Eigentlich heißt es ja, es soll rote Rosen regnen – aber leider passen die nicht ganz in mein Gartenfarbschema. Meine große Rosenleidenschaft sind die sogenannten historischen Rosen. Was bedeutet das genau? Diese Rosen sind laut Definition bereits vor 1867 kultiviert worden und zeichnen sich meist durch einen wunderbar intensiven Duft aus. Sehr viele dieser Rosen remontieren nicht, d.h. sie blühen nur einmal, dafür aber oft für mehrere Wochen. Es gibt allerdings auch einige, die mehrmals blühen – dann allerdings meist nicht mehr so spektakulär wie in der Hauptblüte. Diese wurden dann ab Ende des 1800 Jahrhunderts gezüchtet. Die meist schalenförmigen Blüten haben die Farben Weiß, Rosa, Pastell oder Purpur und sind dicht gefüllt. Die Sträucher sind meistens kompakt. Aber das Highlight ist und bleibt für mich der Duft.

Was ist der Reiz dieser Rosen? Zum einen sind die meisten gar nicht so kompliziert, viele benötigen nur einen leichten Rückschnitt nach der Blüte um den Strauch in Form zu halten. Dann sind sie auch sehr robust – der späte Frost in diesem Jahr hat meinen alten Rosen überhaupt nichts ausgemacht. Die meisten von ihnen sind schöne große Büsche, bei mir auch nicht anfällig für die diversen Rosenkrankheiten wir Sternrußtau oder Mehltau. Aber das kann auch an der Lage meines Gartens liegen, hier weht immer ein Lüftchen.

Ich kann gar nicht mehr genau sagen, ab wann ich den historischen Rosen verfallen bin, es ist auf jeden Fall unheilbar…. Angefangen hatte es mit der Rose de Resht (1880), einer Damaszenerrose, die auch mehrmals blüht. Eine wunderbare Farbe, beschrieben mit Purpurrot und natürlich diesem wunderbar intensiven Duft. Eine richtige Anfängerrose. Damaszenerrosen wurden früher auch zur Rosenölherstellung genutzt.

Dazu kam eine Moosrose Salet (1854), die auch öfterblühend ist und eine wirklich tolle Rose. Der Duft ist frisch und intensiv, die Rose hat ein sog. Auge und ist einfach nur wunderschön. An Moosrosen ist halt dieser würzige Duft der Öldrüsen, die die Blüte und den Stängel wir bemoost aussehen lassen, das besondere I-Tüpfelchen.

Eine meiner großen Lieblinge, und das kann man wörtlich nehmen, ist die Variegeta di Bologna. Diese Rose ist sicherlich 1,80 hoch und fast genauso breit. Wunderbare weiß-rosa gestreifte Blüten, über den Duft muss ich ja nichts mehr schreiben – einfach nur typisch alte Rose.

Aus diesen ersten Rosen ist jetzt eine kleine Sammlung entstanden, im Juni ist der Garten ein Blütenmeer und bei Windstille hängt darin dieser betörende Rosenduft , der einen umfängt – was will das Gärtnerinnenherz mehr?

Mit diesem Beitrag will ich die Angst vor Rosen nehmen und eine Lanze brechen für die Rosen, die halt nicht im Standardsortiment der Gartencenter sind. Es gibt tolle Rosenhändler, über die man viele dieser alten Schätze im Internet kaufen kann – da beziehe ich auch die meisten meiner Rosen. Und wer einmal von dem Virus befallen wurde, kommt nicht mehr davon los.

Barbara Schramm

Schwarzer Holunder

Den heimischen Strauch ˈsambucus nigraˈ schätzten schon die Germanen als heilige Pflanze, die Haus und Hof beschützte.

Es gab eine Zeit, da mochte ich Holunder nicht. Eine reale Begründung dafür gab es nicht. Glücklicherweise hat sich das Blatt gewendet in totale Begeisterung. Und lange hat es gedauert, bis ein Holunderstrauch in unseren Garten fand. Ich könnte sagen, unser Garten ist klein, ist zu voll. Jedoch heute ist das nur eine Ausrede. Für mich gehörte er stets in die freie Natur. Als dann ein alter Baum zusammenfiel, hatten wir den idealen Platz für unseren Holunderstrauch.

Den inzwischen stattlichen Strauch müssen wir in jedem Jahr zurückschneiden, denn unser Garten ist nicht groß genug für alle Wünsche. Aber der Schönheit und dem Nutzen tut diese Tatsache keinen Abbruch. Zumal der Rückschnitt genutzt werden kann als Brutröhrchen inklusive Nahrung für die Wildbienen. Die Blüten und Früchte teilen wir mit den Vögeln. Wir haben mit diesen ein Abkommen, dass es nur in jedem zweiten Jahr viele Früchte gibt. Denn ein Jahr ernten wir die Blütendolden – nur einige wenige lassen wir ausreifen - im anderen Jahr die Früchte. Ergänzen möchte ich, dass die Blüten nicht nur von mir sehr begehrt sind, auch die Insekten laben sich daran.

Hollunder, Foto von Gisela Rommelfanger

Im Jahr der Blütendolden stelle ich leckeren Holunderblütensirup her, und auch einige Gläser Holunderblütensirup. Fällt die Ernte zu gering aus, wird sie in der freien Natur ein wenig aufgestockt, ohne die Büsche kahl zu pflücken. Einige wenige Dolden müssen für Hollerküchlein herhalten, Holunderblütendolden durch Teig gezogen und ausgebacken - eine Köstlichkeit. Wenn es genügend Früchte im Garten und an den Feldrändern gibt, kochen wir Holundersaft und Holundergelee.

Holunderblütensirup

  • 25 Blütendolden
    über Nacht auf einem weißen Tuch draußen, z.B. auf einem Tisch, idealerweise überdacht, ausbreiten. Die kleinen schwarzen Insekten in den Dolden krabbeln freiwillig ins Freie. So müssen die zarten Blüten nicht gewaschen werden. Danach diese in ein Gefäß füllen.
  • 1 kg Zucker in
  • 1 l Wasser erhitzen bis er sich aufgelöst hat (Läuterzucker). Über die Dolden gießen, mit
  • 2 in Scheiben geschnittenen Limetten bedecken.
  • Zugedeckt 24 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen. Die Flüssigkeit durch ein Sieb mit eingelegtem Mulltuch ablaufen lassen, erhitzen und in Flaschen abfüllen.

Gisela Rommelfanger

"Moderne Rosen"

Die Zeit der "Modernen Rosen" beginnt im Jahr 1867 mit der Edelrose "La France", der 1. Teehybride. In Frankreich ist es gelungen, eine winterharte, remontierende (dauerblühende) Rose zu züchten, die gleichzeitig die Eleganz der alten Rosen hat.

Eine besondere Rolle in der Entwicklung der Rose spielte Anfang des 19. Jahrhunderts die Gattin Napoleons, Kaiserin Joséphine, die in ihren Anwesen bei Paris, "Malmaison", die erste und größte Rosensammlung der Geschichte besaß. Frankreich entwickelte sich in dieser Zeit zu einem Zentrum der Rosenkultur. Um Paris setzte rege Züchtertätigkeit ein:  die empfindlichen farbenfrohen asiatischen Rosen, blütenreich und lange blühend,  wurden mit den abgehärteten alten europäischen Rosen gekreuzt. Es entstanden immer mehr Sorten. Sie ergänzten Joséphines Sammlung.  Die Kaiserin hatte damit das Interesse für Rosen in der Gartenkultur geweckt.
Beim Erwerb von "Malmaison" gab es in Europa ca. 40 Rosensorten - am Ende blühten dort über 250 Sorten.

Gute Zuchtergebnisse erreichte auch ein Mann aus unserer Region: Peter Lambert aus Trier. Auch er war es, der um 1900 den Vorschlag unterbreitete, ein Rosarium anzulegen, zur Sammlung alter, vom Aussterben bedrohter Sorten. Es eröffnete 1903 in Sangerhausen und beherbergt die größte Rosensammlung der Welt.
Rege Züchtertätigkeit herrschte natürlich auch im 20. Jahrhundert mit dem Ziel, Sorten zu erreichen, die weitestgehend gegen Pilzkrankheiten, zum Beispiel Sternrußtau, resistent sind.

Brunhilde Gorges

Pflege der Rosen

Rosen fühlen sich an einem sonnigen, luftigen Standort,  auf humosem,  leicht lehmigen Boden besonders wohl. Die Sortenauswahl entscheidet den Pflegeaufwand. Es empfiehlt sich, beim Kauf auf das "ADR"- Qualitätssiegel zu achten. Die beste Pflanzzeit ist der Herbst. Ich bevorzuge wurzelnackte Pflanzen statt Containerware.

Im zeitigen Frühjahr (März) wird die Pflanzfläche mit einem organischen Dünger, z.B. Kompost, ausreichend versorgt. Man kann natürlich auch einen mineralischen Dünger nach Angaben auf der Verpackung verwenden. Im April, zur Zeit der Forsythienblüte, werden die Rosen geschnitten und langsam abgehäufelt. Alte, kranke und erfrorene Triebe werden immer entfernt, auch das Schnittgut und heruntergefallene Blätter sollten aufgesammelt und in der Mülltonne entsorgt werden. Man beachte die Gefahr der Krankheitsübertragung. Ggf. müssen Spritzmittel (z.B. Fungizide) etc. zum Einsatz kommen, sollte (wetterbedingt) ein zu starker Befall der typischen Pilzkrankheiten auftreten, was zu Blattfall führen würde.

Eine Nachversorgung mit Nährstoffen erfolgt im Sommer, jedoch nicht mehr später als Mitte/Ende Juli, damit die Triebe noch reichlich Winterhärte erlangen können und nicht noch durch Stickstoffgaben zum Wachsen angeregt werden. Später kann man allenfalls noch eine Kaliumdüngung verabreichen; Kalium fördert die Winterhärte. Der Sommerschnitt beinhaltet immer das Abschneiden des Verblühten unter dem zweiten fünfteiligen Blatt. Dann hat die Blume weniger Probleme, erneut zur Blüte zu kommen.

Ende Oktober werden die Rosen angehäufelt; hauptsächlich die Veredelungsstelle muss geschützt werden. Selbst, wenn der Rest der Rose stark zurück friert, kann daraus der Neuaustrieb im nächsten Frühjahr erfolgen. Je nach Standort können zusätzlich Tannenzweige als Winterschutz verwendet werden.

Es versteht sich von selbst, dass der Boden regelmäßig gehackt und Unkraut entfernt werden soll. Rosen vertragen auch keine Konkurrenz; das heißt: keine Unterpflanzungen von z.B. Bodendeckern.

Viel Spaß mit Ihren Rosen!

Brunhilde Gorges

Rosarium Uetersen, Foto von Dagmar Weber